August 2025
Start ins neue Schuljahr: Feedbackhefte statt Notenlisten
Ein Feedbackheft ist ein individuelles Rückmeldetool, das Lernprozesse dokumentiert und persönliche Entwicklung sichtbar macht. Anders als klassische Notenlisten enthält es keine reinen Zahlenbewertungen, sondern schriftliche Rückmeldungen zu Kompetenzen, Lernfortschritten und Entwicklungsfeldern. Es kann ganz einfach digital oder analog angelegt werden und begleitet Lehrkraft und Klasse das ganze Schuljahr über, idealerweise sogar noch länger.
Statt starrer Zahlenkolonnen, die zur summativen Bewertung einladen, ermöglichen Feedbackhefte eine individuelle, prozessorientierte (und somit eher lernförderliche) Rückmeldung, die den Fokus auf Entwicklung und Potenzial statt auf punktuelle Leistungsmessung legt. Feedbackhefte orientieren sich am Mindeststandard und helfen dabei, Lernziele transparent zu machen – ohne die Lernenden auf reine Noten zu reduzieren. So entsteht ein differenziertes Bild des Lernstands, das sowohl Stärken als auch nächste Schritte sichtbar macht. In Feedbackgesprächen dienen die Hefte als wertvolle Gesprächsgrundlage: Sie fördern den Dialog zwischen Lehrkräften, Schüler:innen und Eltern und schaffen Raum für persönliche Zielsetzungen und echte Beteiligung am Lernprozess. Feedbackhefte machen Lernen verständlich – und Fortschritt sichtbar.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Öffnen Sie ein neues Dokument auf canva.com (Hinweis: Als Lehrkraft erhalten Sie bei Einrichtung eines Accounts kostenlosen Zugriff auf alle Features des Tools - Dazu müssen Sie lediglich eine aktuelle Schulbescheinigung im „Education“-Bereich hochladen).
- Erstellen Sie ein Template, z.B. nach dem folgenden Muster (s. Abb.):
- Vermerken Sie die Klasse/ den Kurs/ das Fach im rechten oberen Kästchen.
- Kopieren Sie diese Seite im selben Dokument, je nach Anzahl der Schüler:innen.
- Beschriften Sie jede Seite mit dem Namen des:r Schüler:in.
EXTRA: Wenn Sie das Feedbackheft digital verwenden möchten, bietet es sich an, ein alphabetisches Register am rechten Rand anzulegen und die Dokumente untereinander zu verlinken. So können Sie schneller von einer Seite zur anderen springen, ohne alle manuell durchzublättern.
Tipp: Sie können das Template in verschiedenen farblichen Varianten inklusive Ausfüllhinweisen auch erwerben: LINK ZU ETSY
Nutzungshinweise:
- Feld „Notizen“: Allgemeine Anmerkungen zur:m Schüler:in, z.B. zum Förderbedarf (LRS, Sozialverhalten, …), konkreten Beobachtungen (Verhaltensänderungen, Lernfortschritte,…)
- Felder „L1/2/3“: Notizen zu den Leistungsnachweisen (Klassenarbeiten, Präsentationen, Tests, …) , z.B. Noten, Zielvereinbarungen, Fehlerschwerpunkte, …
- Felder zu „Kompetenzentwicklung“: linke Spalte z.B. unterteilt in Sprache (ggf. weitere Unterkategorien Lese- und Hörverstehen, Schreib- und Sprechkompetenz, Sozial- und Methodenkompetenz, etc.); Ampelsystem zum Ankreuzen; Kommentarspalte für Anmerkungen (z.B. Schüler:innenperspektive, Schwerpunkt- oder Zielsetzung, …)
- Felder „Treppe“: Etappen der Kompetenzentwicklung, fokussiert auf die o.a. Kompetenzen (Tipp: nummerieren/ mit Farben arbeiten); Lernziele vermerken, Entwicklungen durch Pfeile kenntlich machen; immer bei den untersten Stufen beginnen, sodass Raum für Entwicklungspotenzial (auch für stärkere Schüler:innen) bleibt;
- Feld „Gespräche“: Notizen zu Feedbackgesprächen (Peerfeedback, Lernentwicklungs- und Notenbesprechungen, Elterngesprächen), am besten datiert
- Feld „Lernziele“: Festlegung einer begrenzten Zahl (z.B. zwei bis drei) Lern- bzw. Entwicklungszielen, als Resultat aus den Kompetenzbeschreibungen, den Leistungsnachweisen und den Gesprächen
- Zeile „Gesamtbild“: Formulierung einer Gesamtbewertung (inklusive Zeugnisnote, falls erforderlich)
Tipps zur Anwendung:
- In der Regel benötigt man ein Template pro Halbjahr. Für feedbackintensive Phasen (z.B Projektarbeit) kann auch eine Seite pro Projekt oder pro thematischem Modul verwendet werden.
- Sortieren (und beschriften) Sie die Seiten nach Vornamen der Schüler:innen. Diese merkt man sich am ehesten und so spricht man die Lernenden in der Regel an, der Nachname ist (meistens bzw. zunächst) irrelevant.
- Nutzen Sie das Heft regelmäßig: Tragen Sie kleine Rückmeldungen lieber öfter ein, als einmal im Halbjahr einen „Berg“ zu schreiben. Es muss keinesfalls zu jedem:r Schüler:in zu jeder Unterrichtsstunde etwas verfasst werden!
- Datieren Sie wichtige Einträge, sodass Entwicklungen chronologisch verfolgt werden können.
- Es hat sich als praktikabel erwiesen, das Feedbackbuch händisch zu füllen (z.B. auf dem Tablet), da das Einpassen und Formatieren von Textfeldern zeitintensiv ist.
- Nutzen Sie Haftnotizen während des Unterrichts, um kleine Beobachtungen für spätere Einträge festzuhalten.
- Ideale Zeitfenster zum Ausfüllen sind während Klassenarbeiten, in Stillarbeitsphasen, während Feedbackgesprächen, direkt nach der Unterrichtsstunde, in Vorbereitung der nächsten Stunde, etc.
- Arbeiten Sie mit Kürzeln statt ausführlich zu formulieren (z.B. KO = Kompetenz; Pfeil nach oben = Verbesserung, LV = Leseverstehen, etc.)
- Nutzen Sie die Treppe, um Fortschritte zu visualisieren: Dabei sind die Stufen nicht vordefiniert, sondern individuell zu verstehen, d.h. jede:r Schüler:in hat möglicherweise andere Einträge und Niveaustufen, je nach fokussierter Kompetenz.
- Nutzen Sie das Heft als Gesprächsgrundlage, nicht nur als reine Dokumentation: Vermerken Sie auch Selbsteinschätzungen der Schüler:innen (z.B. in der Kommentarspalte bei den Kompetenzen). Formulieren Sie gemeinsam neue Lernziele (Treppenstufen), am besten mit konkreter Datumsangabe (z.B. bis zu den Herbstferien) und verfolgen Sie diese.
- Es hilft, wenn die Schüler:innen zeitgleich ein Lernportfolio führen, in dem sie Etappenziele, Aktivitäten und Erreichtes ähnlich wie in einem Kanbanboard dokumentieren. Dieses kann in Feedbackgesprächen zusätzlich dienlich sein.