sprachdidaktik-sobel 
Ideen und Impulse zur Unterrichtsgestaltung

Mai 2026

Sind Sie es auch Leid, digitale Tools als bloßen Ersatz „gepresstes Calciumsulfat“ (22) zu betrachten und würden Sie vielleicht stattdessen lieber „mit intelligenten Toastern“ (121) eine Sprache lernen?
Letzteres ist möglicherweise nicht unbedingt zu finden vorliegenden Werk, wohl aber ein äußerst verständlich, zuweilen humoristisch geschriebener aber stets wissenschaftlich gehaltener stringent strukturierter Überblick über CALL (Computer-Assisted Language Learning) mit Fokus auf verschiedene Tätigkeitsfelder und Kompetenzbereiche des Fremdsprachenunterrichts (vgl. auch das Inhaltsverzeichnis).
Der 2026 in der Reihe narr starter erschienene Band richtet sich (laut Klappentext) primär an Lehramtsstudierende, spricht aber auch Lehrkräfte oder anderweitig im Bildungsbereich tätige Personen an. Er führt den interessierten Lesenden strukturiert und anschaulich in das komplexe Themenfeld ‚Medien im Fremdsprachenunterricht‘ ein und verschafft einen umfassende Zusammenschau aktueller Forschungsergebnisse und Literatur, Definitionen sowie Tool- und Praxistipps für Lehrende und Lernende.
Bündgens-Kosten gelingt es, unterschiedliche Interessen der Leserschaft zu bündeln:

  • Personen, die selbst eine Fremdsprache mit Unterstützung digitaler Medien lernen möchten, erhalten Anregungen zu geeigneten Werkzeugen - inklusive methodisch-didaktischer Rechtfertigung.
  • Personen, die Fremdsprachen unterrichten, profitieren zusätzlich durch die zahlreichen Schilderungen erprobter methodisch-didaktischer Arrangements - inklusive wissenschaftlicher Fundierung.
  • Personen, die auf ebensolche bauen, finden zahlreiche aktuelle Studien und Forschungsergebnisse (jedoch vorrangig aus dem Ausland) und Literaturverweise - alles jedoch wohl dosiert - verständliche Fakten statt Unmengen an Zahlen -  sodass auch Laien und/ oder Anfänger*innen Zugang finden.
  • Personen, die auf dem Weg sind, all diese Perspektiven zu erfahren/ zu erlernen, können durch die Kapitel streifen, abschnittsweise oder auch holistisch lesen und vor allem: miteinander darüber ins Gespräch kommen.

Was hängen bleibt: KI&Co. funktionieren niemals ohne didaktische Kontextualisierung und pädagogisches Handeln: „Ich kann mir, im Jahr 2025, noch nicht vorstellen, dass KI die Rolle des*der genuin interessierten Leser*in übernehmen kann. Der Rotstift ist vielleicht ersetzbar, aber das Wissen, dass der eigene Text Wirkung auf Menschen hat, nicht.“ (75), schreibt Bündgens-Kosten mit Blick auf digitale Feedbacktools. Und mehr noch: Die Autor*in betont wiederholt, dass Lehrende durchaus „Interpretations- und Handlungsspielräume bei der Arbeit mit CALL haben, den […] [sie] aber auch bewusst nutzen müssen.“ (96) - trotz (oder aufgrund von) Widrigkeiten in Bezug auf datenschutzrechtliche Vorgaben, die Handlungssouveränitäten zuweilen einschränken (vgl. 94). Angenehm ist (insbesondere natürlich für (angehende) Lehrkräfte), dass Bündgens-Kosten an mehreren Stellen auf DSGVO-Konformität von Tools und Settings sowie faktische Realisierbarkeit in der Praxis verweist. Die Devise für die motivierte Lehrkraft lautet also stets: genau hinsehen, informieren, Fragen stellen und vor allem: ausprobieren!
Trotz der Komplexität und insbesondere der Fluidität des Themas (auf die einleitend verwiesen wird) gelingt es im vorliegenden Band, punktuelle Wahrnehmungen und Erkenntnisse zusammenzuführen und verständlich aufzuarbeiten, ohne im Status einer zu spezifischen oder detaillierten Momentaufnahme zu verharren. Die rund 150 Seiten (davon rund 117 Seiten Text) laden durch die meist kurzen Kapitel, angereichert durch die allgegenwärtigen „Auf einen Blick“- oder Praxisboxen zur kurzweiligen aber doch (im positiven Sinne) kognitiv herausfordernden Lektüre ein. Die gefetteten zentralen Begriff helfen beim Querlesen bzw. Wiederfinden von Inhalten (so dies nicht durch die ohnehin anschauliche Gliederung bereits der Fall ist).

Fazit: Klare Kauf- und vor allem Leseempfehlung! Und wer weiß, vielleicht ergibt sich ja auch in naher oder ferner Zukunft die Möglichkeit, mit „intelligenten Toastern“ über Sprache nachzudenken. Bisweilen würde ich empfehlen, diesen Austausch mit realen Personen zu führen ;-)


Jules Bündgens-Kosten ist Professor*in für die Didaktik des Englischen an der Bergischen Universität Wuppertal


Hinweis: Für diese Rezension wurde ein kostenloses Probeexemplar zur Verfügung gestellt.

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